Freitag, 29. April 2016

[Rezension] "Eine Dame von Welt" von Henry James


Eine vergessene große Erzählung vom Meister der weiblichen Psychologie


Die Novelle, Spiegelstück zu Henry Jamesʼ »Daisy Miller«, zählt zu den unterhaltsamsten Werken des profunden Menschenkenners: Eine unerschrockene Amerikanerin mischt die Welt der zugeknöpften europäischen Aristokratie auf, um sich in diesen Kreisen einen Platz zu erkämpfen.


Der reiche Amerikaner Littlemore trifft in einem Pariser Theater auf Mrs. Headway, eine alte Angebetete aus San Diego. Sie bittet ihn, als ihr Fürsprecher den Edelmann Arthur Demesne ihrer »Ehrbarkeit« zu versichern. Littlemore zögert: Sie hat ein skandalträchtiges Leben geführt, eine vorteilhafte Ehe ist ihre einzige Möglichkeit auf gesellschaftliche Anerkennung. Soll er aus alter Verbundenheit lügen? Eine schwierige Frage, denn von nun an zählen Littlemore und Demesne zu den regelmäßigen Gästen im Salon Mrs. Headways. Bestechend frisch erzählt Henry James von einer unerschrockenen Amerikanerin, die die zugeknöpfte Welt der europäischen Aristokratie aufmischt, um sich gegen alle Konventionen ihren Platz zu erkämpfen.

Dieses Büchlein war für mich einmal etwas ganz neues. Schließlich erschien es zum ersten mal Anfang des Jahres 1883 im Londoner Cornhill Magazine.
Dementsprechend ist "Eine Dame von Welt" kaum mit meiner gewohnten Bücherauswahl vergleichbar.

Was mich schon bei Erhalt des Buches sehr begeistert hat, ist die Tatsache, dass es einen Leineneinband besitzt. Das ist mittlerweile so selten, dass ich es gar nicht mehr aus der hand legen wollte. Und dann die Frau auf der schmalen Banderole... Wenn man das Buch gelesen hat, sieht man da ganz deutlich Mrs. Headway, welche im Großen und Ganzen wirklich als sehr arrogant betrachtet werden muss. Oder als zielstrebig. Aber Arroganz und Zielstrebigkeit liegen ja nicht unbedingt sehr weit voneinander entfernt.

Der Schreibstil ist natürlich auch ein komplett anderer, als ihn die aktuellen Bücher aufweisen. Ich kann nicht sagen, dass er irgendwie kompliziert ist oder verschachtelt, aber irgendwie habe ich doch länger für die 176 Seiten gebraucht, als ich es normalerweise tue. Allerdings war mir dabei zu keinem Zeitpunkt langweilig. Ich habe mich wirklich gut unterhalten gefühlt.

Henry James stellt die Frauen in seinem Buch als äußerst manipulativ dar. Im Fall Mrs. Headway verfolgt diese natürlich einen größeren Plan und eckt dabei an so mancher Stelle an. In Missgunst steht sie allerdings wirklich hauptsächlich bei anderen Frauen aus gutem Hause und mit tadelloser Erziehung. Die meisten Männer finden sie charmant und würden ihr wahrscheinlich auf ihrem Weg in die gute Gesellschaft keine großen Steine in den Weg legen. Außer Mr. Littlemore, dem die Dame schon länger bekannt ist. Dieser ist sich die meiste zeit nicht so ganz schlüssig, wie er sich nun verhalten soll.

Dieses kleine Werk ist auf jeden Fall recht unterhaltsam. Auch wenn ich manchmal immer noch darüber nachdenken muss, ob wir Frauen wirklich so manipulativ vorgehen. Wahrscheinlich hat sich das in den letzten 130 jahren alles etwas relativiert ;)

"Eine Dame von Welt" sticht doch etwas aus meinem gewohnten Leseverhalten heraus, dennoch habe ich mich gut amüsiert. Es ist jetzt nichts, was ich permanent lesen möchte, aber so ab und zu geht das.

Für mich kam zu keinem Zeitpunkt in dem Buch Langeweile auf und Mrs. Headway hat mich sehr amüsiert.

Eure Meinung zu dem Buch würde mich wirklich sehr interessieren!


Ich wünsche euch einen guten Start ins Wochenende!

Ganz liebe Grüße

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